Der „Sekundäre Wohlstandsbereich“ (Zhao Shen)
„Das Märchen von den neun Sternlein“ gibt es schon einige Jahre, in denen mich zahlreiche Fragen, Anregungen und Idee der Leser erreichten. Ich bin über jeden direkten Kontakt mit der Leserschaft sehr froh und für konstruktive Kritik äußert dankbar.
So habe ich bemerkt, dass das Prinzip des „Sekundären Wohlstandes“ im Feng Shui nicht immer einfach zu verstehen und auch im Buch nicht wirklich ausführlich beschrieben ist. Das werde ich in der nächsten Auflage sicher ändern, doch bis dahin fülle ich die Lücke mit diesem Beitrag aus.
Bei dem „Sekundären Wohlstandsbereich“ handelt sich, wie der Name schon suggeriert, nicht um das wichtigste und zuverlässigste Prinzip in Hinblick auf Geld und Wohlstand.
Streng genommen, hat diese Regel auch nichts mit dem Sternen-Diagramm eines Hauses zu tun. Sie ist lediglich von der aktuell geltenden Periode abhängig und gilt somit für alle Objekte gleich.
Wie kommt sie zustande?
Das Geheimnis des sekundären Wohlstandes liegt im HoTu, der „vorhimmlischen Ordnung“. Das HoTu bildet den idealen Zustand der Ordnung, in der die kardinalen Kräfte der Natur fest verankert sind und als gleichwertig angesehen werden.
Das HoTu wird in den traditionellen Quellen, z.B. im „IGing“* als „die Figur, die unter dem Namen HoTu, der Plan vom Gelben Fluß, bekannt ist und die von Fu Hi stammen soll. Dieser Plan zeigt die Entstehung der fünf Wandlungsphasen aus geraden und ungeraden Zahlen.“
Grafisch wird das HoTu so dargestellt:
Die geraden Zahlen sind Yin, symbolisieren die Erde und werden als dunkle Punkte dargestellt. Die hellen Punkte stehen für die ungeraden Zahlen, repräsentieren den Himmel und sind Yang. Die fünf Wandlungsphasen verteilen sich wie folgt:
Wasser im Norden: 6 dunkle – 1 heller = 5 dunkle, daher ist Wasser Yin
Feuer im Süden: 7 helle – 2 dunkle = 5 helle, deshalb ist Feuer Yang
Holz im Osten: 8 dunkle – 3 helle = 5 dunkle, weil Holz aus dem Yin in Yang aufsteigt
Metall im Westen: 9 helle – 4 dunkle = 5 helle, weil Metall aus dem Yang in Yin absteigt
Erde in der Mitte: 10 dunkle – 5 helle = 5 dunkle
Insgesamt überwiegen dabei 5 dunkle Punkte der Erde, die auf den Yin-Charakter dieser Anordnung sprechen.
Das „Ho Tu“ beschreibt die ideale Ordnung der Natur, alle Vorgänge sind klar nachvollziehbar und bleiben gleich (Ergebnis bleibt 5). Es existiert ein Zustand von Ordnung und Stabilität, aber auch eine Art Bewegungslosigkeit, welche die Entstehung neuer Formen verhindert. Es ist ein Muster, auf dem alles basiert, doch Neues kann dadurch nicht geboren werden.
In einer pragmatischen Art und Weise könnten Sie sich diese Anordnung als den Zustand vor dem „Urknall“ des Universums vorstellen. Daher stammt auch die Bezeichnung „vor-himmlische“, d.h. bevor der Himmel entstand. Erst der „Urknall“ brachte Chaos und Bewegung, aus dem alles Leben entstand.
Aber was hat es mit Wohlstand zu tun?
Betrachten wir die dunklen und hellen Punkte in jeder Himmelsrichtung. Sie ergeben die Zahlenpaare:
Holz = 8-3
Feuer = 7-2
Metall = 9-4
Wasser = 1-6
Erde = 5-5
Diese Zahlenpaare verkörpern die ideale Anordnung der Yin-/Yang-Verhältnisse des HoTu, der universellen Matrix. Diese Matrix an sich ist stabil und stellt das Muster für jede erdenkliche Entwicklung dar. So auch das Zahlenpaar 8-3.
Aktuell leben wir in der 8.Periode. Die Zahl, die für die Perfektion gebraucht wird ist die 3. Sie steht im Lo Shu, in der sogenannten „nachhimmlischen Ordnung“, die das Leben und das Erschaffen abbildet, im Osten. Deshalb braucht man den Osten, um in der 8. Periode Geld zu machen. Für Geld ist in der Landschaft Wasser zuständig (Geld muss fließen, „flüssig sein“), deshalb soll sich in der 8.Periode im Osten Wasser befinden.
Der Einfluss des Wassers ist aber nicht per se vorhanden, sondern entsteht erst durch bewusste und gewollte Transformation der universellen Matrix, des HoTu. Das macht den Einfluss so instabil und unsicher. Das Geld kann schnell kommen und genauso schnell wieder verloren gehen.
Der „Sekundäre Wohlstand“ dient also lediglich kurzfristigen Höhenflügen in Geldgeschäften und eignet sich weniger zum Aufbau einer stabilen Wohlstandslage. Um die zu schaffen, können andere Feng-Shui-Regel sinnvoller genutzt werden.
Ich hoffe mit dieser Erklärung ein wenig Licht in die verschleierte Regel gebracht zu haben. Und wer der Meinung ist, dass ich das Wissen zu großzügig verteile, der hat das Prinzip des Reichtums ohnehin nicht verstanden ;-).
Bis zum nächsten Thema, das noch offen steht aber in jedem Fall mit den Fliegenden Sternen zu tun haben wird.
Ihre Hedwig Seipel
*Quelle: „IGing, Texte und Materialien“ übersetzt von Richard Wilhelm, Ausgabe Diedrichs Gelbe Reihe, 23. Auflage 1999; Seite 286
Bildquelle: istockphoto/©-Helder-Almeida
Hallo Michael,
es gibt leider immer noch vereinzelt Lehrer, die streng nach der alten chinesischen Masche verfahren: Wissen ist sehr geheim und darf nur gegen teures Geld weitergegeben werden ;-).
Das entspricht sogar dem Reichtumsprinzip: Reichtum ist, was ich kontrolliere. Also geben sie das Wissen kontrolliert weiter, und werden reich.
Ich selbst gehe lieber einen anderen Weg: Wissen, über das ich verfüge, ist wie Samenkörner, die nur darauf warten auf fruchtbaren Boden zu fallen, um neue Früchte zu bilden. Ich bin der Landwirt, der nicht mit Samenverkauf sein Geld verdient, sondern für die Früchte seiner Ackerarbeit bezahlt wird.
Danke für Deine Kommentare und wünsche Dir frohe Ostern,
Hedwig
…und nicht nur das Prinzip des Reichtums ist nicht im Sinne vom Feng Shui mißverstanden worden, sondern der Einblich in der Lehre der Wandlungsphasen und das Prinzip von Yin/Yang, um nur diese zwei Komponenten zu nennen, ist demjenigen verwehrt geblieben. Vielleicht meldet er sich an einem deiner Seminare an?
Liebe Grüße,
Michael
Liebe Hedwig,
ist es so zu verstehen, dass sich die „Konkurrenz“ darüber geärgert hat, dass sie auf einmal weniger Schüler hat? 😉
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