Feng Shui Classic

Bauperiode – welche gilt? (2)

Nach dem kurzen Ausflug in die Quantenwelt, kehren wir heute zu der pragmatischen Frage nach dem Baujahr bzw. nach seiner möglichen Änderung zurück.

Die wirksamste Maßnahme das Baujahr eines Hauses zu ändern ist es abzureißen. Dem werden sie mir sicher nicht widersprechen. Doch ein Abriss kommt nicht so oft vor. Meistens haben wir als Feng Shui Berater mit Häusern zu tun, die anno dazumal gebaut, immer wieder an- und umgebaut wurden und vielleicht auch den einen oder anderen Kriegsschaden abbekommen haben. Nach welchen Kriterien gilt in solchen Fällen die Bestimmung des Baujahres?

Bei meinen Lehrern und aus vielen klassischen Texten habe ich, sicher ähnlich wie viele von ihnen auch, die Regeln der Verbindung zwischen dem Erde- und dem Himmels-Chi gelernt. Diese Regel besagt, dass die Öffnung des Dachs (und der Zwischendecken), die Bauperiode des Hauses ändert. Durch das Öffnen kann sich das Erde-Chi mit dem Himmels-Chi neu verbinden und damit das „Herz“ des Hauses erneuern.

Anfangs war die Regel für mich auch sehr schlüssig und nachvollziehbar. Doch eines Tages stand ich in einer Penthousewohnung, die ich beraten sollte, und schaute durch große Panoramafenster direkt in den Himmel. Das Dach hatte nicht nur eine, sondern eine Reihe von Öffnungen, die von den Bewohnern auch gerne zum Lüften benutzt wurden. Von der Wohnung aus gab es durch das Treppenhaus eine offene und direkte Verbindung zu allen anderen Ebenen. Was jetzt, ist das Haus alle 20 Jahre neu? Die Kriterien der alten Regeln waren erfüllt: das Dach stand offen und das Chi konnte bis in den Keller fließen.

Mein gesunder Menschenverstand wehrte sich dem zuzustimmen. Das konnte nicht sein. Ein Haus verändert nicht sein Wesen, nur weil man Dachfenster öffnet! Und welchen Unterschied macht es für das Chi, dass es ein Fenster und kein Loch im Dach ist? Sicherlich keinen. Also musste die alte Regel neu überlegt und interpretiert werden.

Pragmatisch wie ich bin, ging ich das Ganze von der praktischen Seite an.

Als diese Regel aufgestellt wurde, bestanden Häuser aus vier Mauern, einem Dach, einer Öffnung als Tür und 2-3 Löchern in den Wänden, die als Fenster dienten. Keine Dachfenster, keine Versorgungsleitungen mit Wasser, Gas, Strom etc., keine mehrstöckige Mehrfamilienhäuser mit abgetrennten Wohnungen, keine mehrschichtige Dachabdeckungen, keine Isolierfolien etc.

Die damals größtmögliche Renovierung im Sinne einer Erneuerung des Gebäudes bedeutete das Dach neu zu machen. Umbauten, Sanierungen etc. gab es einfach nicht. Dementsprechend hieß es: Dach öffnen, neu machen und das das Haus ist wie neu.

Das wichtigste dabei aber war: ein Haus mit Loch oder mit abgedeckten Dach blieb unbewohnbar. Es bot keinen Schutz mehr. Anders gesagt, das Haus war tot. Durch das neue oder reparierte Dach wurde es zum neuen Leben erweckt – das Herz schlug wieder.

Doch wie ist es heute?

Ich selbst wohne in einem Haus von 1936, das bis wir hier eingezogen sind, 3x umgebaut wurde. Wir haben das Haus 2004 total saniert. Dabei blieb nur das Dach unversehen, weil es völlig gesund und mit Lehm isoliert war. Alles andere, Putz an den Wänden, Fenster und Türen, Versorgungsleitungen und vieles mehr, wurde neu gemacht. Es blieb einfach ein leeres  Gerippe stehen, das neu gefüllt wurde. Während der Sanierung war das Haus unbewohnbar. Nachdem alles fertig war, sind wir in das Haus eingezogen und ein Jahr später haben wir angebaut. Durch den Anbau hat sich das Hausvolumen verdoppelt. Das Haus ist komplett neu, es fühlt sich auch so an. Für mich gilt hier klar die 8.Periode.

Deshalb wage ich meine persönliche These: als Bauperiode zählt das Jahr, in dem das Haus neu geboren wurde. Praktisch gesehen, es muss eine Sanierung hinter sich haben und unbewohnbar gewesen sein. Selbstverständlich können auch schlimme Ereignisse wie Brand oder Überschwemmung das Haus unbewohnbar machen. Durch die notwendige Sanierung beginnen auch diese Häuser ein neues Leben. Ob das Dach dabei auf oder zu war, spielt keine Rolle. Im Sinne der Relativitätstheorie: die Raum-Zeit wurde neu definiert.

Meine These wende ich seit vielen Jahren bei Feng Shui Beratungen an und habe immer das Gefühl, richtig zu liegen. Ein Vergleich der Diagramme der in Frage kommenden Perioden hat in den meisten Fällen eindeutige Hinweise auf die zutreffende Bauperiode geliefert. In den übrigen Fällen fehlte einfach die Vergleichsbasis, weil die Bewohner das Haus erst gekauft und selbst noch gar nicht drin gelebt haben.

Wie gehen Sie mir der Bauperiode-Bestimmung um? Was halten Sie von meiner These? Ich würde mich über eine Diskussion sehr freuen. Feng Shui ist eine dynamische Lehre, die sich ständig weiter entwickeln kann, wenn ihre Anwender offen und experimentierfreudig sind.

 

Bildnachweis: Uli Carthäuser  / pixelio.de und Rainer Sturm  / pixelio.de

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